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Five More Minutes

Ein Lied über Angeln, Warten und den Moment, in dem ein Nachmittag auch ohne Fisch schon ganz sein kann.

Cover zu Five More Minutes mit Angelrute am See im goldenen Sonnenlicht und einem Schwimmer im Wasser.

Noch kein Biss – fünf Minuten mehr am Septembersee

Der September in Deutschland hält manchmal noch ein kleines Stück Sommer fest.

Das Licht ist golden, aber nicht mehr scharf. Der Wind geht leise über den See. Das Gras ist noch grün, die Blätter hängen noch dicht an den Zweigen, als stünde der Herbst schon irgendwo in der Nähe, ohne sich aufzudrängen.

Ich nehme meine Angel mit an den See, suche mir einen schönen Platz und bereite den Köder vor, von dem ich überzeugt bin. In meinem Kopf passt alles: Wetter gut, Stelle gut, Köder gut. Wäre ich ein Fisch, hätte ich vermutlich längst angebissen.

Aber Fische denken offenbar anders als ich.

Der See bleibt still. Die Pose liegt auf dem Wasser und bewegt sich kein einziges Mal.

Was passiert unter der Wasseroberfläche?

Angeln wird oft als ruhiges Hobby beschrieben. Aber im Kopf eines Menschen, der wartet, ist es selten ganz ruhig.

Wenn die Pose zu lange still bleibt, beginnt die Fantasie zu arbeiten. Ist gerade ein Fisch vorbeigeschwommen? Hat er den Köder gesehen? War er schon ganz nah, hat kurz geschaut und ist dann wieder verschwunden? Vielleicht ist er satt. Vielleicht ist mein Köder nicht so überzeugend, wie ich dachte. Vielleicht feiern alle Fische hinter dem Schilf eine kleine Versammlung und niemand hat mir Bescheid gesagt.

Von oben sehe ich nur eine glatte Wasserfläche. Darunter aber passiert eine ganze Welt, zu der ich keinen Zugang habe. Dieser Gedanke macht mich neugierig. Und ein bisschen bringt er mich zum Lachen.

Fünf Minuten mehr

Zeit fühlt sich anders an, wenn man wartet. Eine Minute kann zu fünf Minuten werden. Und fünf Minuten können sich ziehen wie ein Gedicht, das seine letzte Zeile noch nicht findet.

Ich beginne, alles abzuwägen: Soll ich den Platz wechseln? Einen anderen Köder nehmen? Weiter hinauswerfen oder näher ans Ufer? Oder einfach gar nichts tun und noch fünf Minuten sitzen bleiben?

“Noch fünf Minuten” ist ein sehr vertrauter Satz beim Angeln. Aus fünf werden zehn, manchmal zwanzig. Nicht unbedingt, weil man sicher ist, dass gleich ein Fisch kommt. Eher, weil da dieses kleine Gefühl bleibt: Vielleicht ist er schon ganz nah. Vielleicht braucht es nur noch ein bisschen Zeit.

Aus diesem Gedanken entstand der englische Titel des Liedes: Five More Minutes.

Als ich aufhörte, auf die Pose zu starren

Während ich noch überlege, was ich ändern sollte, vergesse ich plötzlich, auf die Pose zu schauen.

Die Sonne liegt noch golden auf dem Gras. Der Wind spielt mit meinen Haaren. Der See ist weit und ruhig. Ich schaue hoch in den Himmel und merke, dass ich viel zu lange auf einen kleinen Punkt im Wasser gestarrt habe. Fast hätte ich den ganzen Nachmittag um mich herum vergessen.

Manches dauert länger, je genauer man darauf wartet. Und manches kommt leise, wenn man es gerade nicht mehr fest im Blick hält.

Und wenn heute kein Fisch anbeißt? Dann habe ich immer noch Himmel, Septemberlicht, Wind um mich herum, den See und diese Zeit, in der ich einfach draußen sitzen darf. Vielleicht habe ich schon etwas bekommen, bevor ich überhaupt einen Fisch fange.

Ruhe.

Nicht die Ruhe, weil alles genau nach Plan läuft. Sondern die Ruhe, weil der Augenblick nicht mehr beweisen muss, dass er sich gelohnt hat.

Und dann...

Gerade als ich nicht mehr auf die Pose starre, wird die Schnur plötzlich straff. Die Pose verschwindet im Wasser.

Oh! Da ist er schon.

Ich mag dieses Ende, weil es fröhlich ist. Aber das Lied will nicht sagen, dass Geduld automatisch alles bringt, was man sich wünscht. Manchmal muss man den Köder wechseln, den Platz wechseln oder wissen, wann man die Angel einpackt. An diesem Septembernachmittag habe ich nur gemerkt, dass Warten nicht unbedingt die Freude am Jetzt nehmen muss.

Der Fisch ist ein unerwartetes Geschenk. Aber der Himmel, der Wind und der Nachmittag am See waren schon vorher ein Geschenk.

Drei Sprachen, drei Titel

Das Lied entstand zuerst auf Vietnamesisch unter dem Titel Cá vẫn chưa cắn câu. Dieser Titel bewahrt genau den schwebenden Moment der Geschichte: Die Pose bleibt still, und der Mensch am Ufer weiß noch nicht, ob er weiter warten oder etwas ändern soll.

Die deutsche Fassung heißt Noch kein Biss – kurz, natürlich und sehr vertraut für Menschen, die angeln: Es hat noch nichts angebissen.

Die englische Fassung trägt den Titel Five More Minutes – fünf Minuten mehr. Das ist keine wörtliche Übersetzung des vietnamesischen Titels, aber es hält den kleinen Satz fest, den ich an diesem Lied besonders mag: Bleiben wir noch ein bisschen.

Die drei Versionen versuchen nicht, in jedem Satz gleich zu sein. Sie wurden im Geist des Liedes übertragen, damit jede Sprache ihren eigenen Rhythmus, ihre eigenen Bilder und ihre natürliche Stimme behalten kann.

Hören und Liedtext lesen

Notiz zum Entstehungsprozess

Idee, Geschichte und der vietnamesische Originaltext von “Cá vẫn chưa cắn câu” wurden von FlamaBloom aus einem Angelnachmittag am See im September geschrieben. Die deutschen und englischen Versionen sind Übertragungen im Geist des Stücks. Der Song wurde in Struktur und Musik mit Unterstützung von KI-Technologie weiterentwickelt und fertiggestellt.

Zurück zur Musik

🌿 Schau heute öfter in den Himmel als auf den Bildschirm.

Atme ganz langsam ein.

Jeder Samen braucht Zeit, um zu keimen.

Jede Reise beginnt mit einem sehr kleinen Schritt.

Danke, dass du dir ein wenig Zeit für diesen Garten genommen hast.