Bittermelone im Gewächshaus in Deutschland
Wie ich Bittermelone im Gewächshaus in Deutschland anbaue: Samen einweichen, Jungpflanzen warm halten, Ranken leiten, Blüten bestäuben und grüne Früchte ernten.
- Autor
- FlamaBloom
- Veröffentlicht
- 10. September 2026
- Aktualisiert
- 10. September 2026
- Lesezeit
- 6 Min. Lesezeit

Der Sommer in Deutschland ist sehr kurz. Die wirklich warme Zeit, in der Pflanzen wachsen können, fühlt sich manchmal gerade lang genug an, damit eine Gemüsesaison beginnt, bevor sie schon wieder auf ihr Ende zuläuft.
Bei asiatischen Gemüsesorten, die Hitze und Sonne gewohnt sind, ist der Anbau hier nicht immer einfach. Manche Samen keimen sehr langsam. Manche Pflanzen sind kaum größer geworden, da kommen schon wieder kalte Tage. In manchen Jahren pflege ich die Ranken die ganze Saison, und bei der Ernte hängen nur ein paar vereinzelte Früchte am Gerüst.
Trotzdem versuche ich jedes Jahr, im Gewächshaus eine kleine Ecke für Gemüse freizuhalten, das zu den Mahlzeiten von Zuhause gehört.
Heimweh kann ein sehr vages Gefühl sein. Man weiß manchmal nicht, ob man eine Straße vermisst, eine bestimmte Sommerhitze oder eine alte Küche. Essen ist viel konkreter. Man kann einen vertrauten Geschmack in den Mund nehmen, ihn langsam wieder schmecken und plötzlich kommt eine ganze Landschaft von Erinnerungen zurück.
Dieses Essen schmeckt vielleicht nicht allen.
Aber für mich reicht ein kleiner vertrauter Geschmack, damit der ganze Sommer wieder da ist.
Die Pflanze, von der ich heute erzählen möchte, ist die Bittermelone.
Ein sehr ehrlicher Name
In Deutschland heißt sie meistens Bittermelone oder Bittergurke. Auf Englisch heißt sie bitter melon. Ihr wissenschaftlicher Name ist Momordica charantia.
"Bitter" bedeutet bitter.
Und das ist nicht nur ein Name. Diese Frucht ist wirklich bitter.
Die Bitterkeit steckt in jedem kleinen Stück. Ob gebraten, in Suppe gekocht oder als Tee aufgegossen, sie verschwindet nie ganz. Aber genau diese Bitterkeit macht den eigenen Charakter der Bittermelone aus. Wenn man sich daran gewöhnt hat, schmeckt man nicht mehr nur das Bittere, sondern auch etwas Klares und Kühles, das sich kaum durch ein anderes Gemüse ersetzen lässt.
Bittermelone mag eigentlich ein heißes, feuchtes Klima. In Deutschland pflanze ich sie deshalb meistens ins Gewächshaus oder an einen sehr sonnigen, warmen und windgeschützten Platz, wenn sie gut wachsen und genug Zeit für Früchte haben soll.
Der Anfang mit einem eigensinnigen Samen
Die Samen der Bittermelone sind ziemlich hart, deshalb säe ich sie nicht sofort direkt in Erde.
Zuerst weiche ich die Samen mindestens acht Stunden in Wasser ein, meistens über Nacht. Danach lege ich sie in ein feuchtes Tuch, gebe das Tuch in eine Dose mit Deckel und stelle alles für ein paar Tage dunkel und warm.
In dieser Zeit soll das Tuch feucht bleiben, aber nicht nass triefen. Einmal am Tag öffne ich die Dose und schaue nach. Wenn die Samenschale beginnt aufzubrechen und eine kleine weiße Wurzel sichtbar wird, lege ich den Samen vorsichtig in Anzuchterde.
Meistens beginne ich damit im April. So sind die Jungpflanzen Anfang Mai, wenn das Wetter stabiler wird, kräftig genug für das Gewächshaus.
Wenn es draußen noch kalt ist oder noch Frostgefahr besteht, warte ich lieber etwas länger. Bei Bittermelone kann ein zu früher Umzug in die Kälte die Arbeit von mehreren Wochen zunichtemachen.
Ein grünes Rankgerüst für den Sommer
Bittermelone ist eine Kletterpflanze und wächst ein wenig wie Gurke. Deshalb braucht sie Schnüre oder ein Gerüst, an dem sie nach oben kann.
Schon wenn die Pflanze noch klein ist, binde ich eine Schnur vom Fuß der Pflanze bis zum oberen Rahmen des Gewächshauses. Wenn der Stängel länger wird, leite ich die Spitze vorsichtig an der Schnur entlang. Danach findet die Pflanze ihren Weg selbst und legt ihre kleinen Ranken um alles, woran sie sich festhalten kann.
Bittermelone mag nährstoffreiche Erde, viel Licht und eine möglichst gleichmäßige Feuchtigkeit. Ich gieße regelmäßig, achte aber darauf, dass die Erde nicht lange staunass bleibt.
An heißen Sommertagen wächst die Pflanze sehr schnell. Nach kurzer Zeit können ein paar dünne Ranken eine ganze Ecke im Gewächshaus grün bedecken.
Die Blüten sind klein und gelb. Wenn im Gewächshaus nur wenige Insekten unterwegs sind, öffne ich die Tür regelmäßig, damit Bienen und andere Bestäuber hineinfliegen können. Wenn nötig, kann man auch mit einem weichen Pinsel Pollen von männlichen auf weibliche Blüten übertragen.
Bei guter Pflege kann eine Pflanze recht viele Früchte tragen. Ich pflanze meistens ungefähr fünf Pflanzen. Das reicht für unsere Familie, um im Sommer Bittermelone zu essen und einen Teil zum Trocknen aufzubewahren.
Ernten, solange die Früchte grün sind
Bittermelonen ernte ich am liebsten, wenn die Früchte eine gute Größe erreicht haben, aber noch grün und fest sind.
Bleiben sie zu lange an der Pflanze, werden sie langsam gelb oder orange. Danach öffnen sie sich von selbst und zeigen die roten Samen im Inneren. Solche Früchte sind schön anzusehen oder gut, um Samen zu gewinnen, aber das Fruchtfleisch eignet sich nicht mehr so gut für normale Gerichte wie die jungen grünen Früchte.
Regelmäßiges Ernten hilft der Pflanze außerdem, weiter zu blühen und neue Früchte zu bilden.
Gerichte mit einem Geschmack von Zuhause
Bittermelone lässt sich auf viele Arten zubereiten.
Ich schneide die Früchte oft in dünne Scheiben und trockne sie für Tee. Der Tee riecht leicht und klar und hinterlässt am Ende einen kleinen bitteren Geschmack.
Bittermelone wird oft als Lebensmittel mit interessanten Pflanzenstoffen erwähnt. Ich sehe Bittermelonentee trotzdem als Getränk aus dem Garten, nicht als Medizin.
Frische Bittermelone kann man dünn schneiden und mit Ei braten. Das Weiche und Milde vom Ei macht die Bitterkeit sanfter, was besonders angenehm ist, wenn man sie zum ersten Mal probiert.
Man kann Bittermelone auch mit Fleisch füllen, mit Tomaten kochen oder daraus eine heiße Suppe machen. Manche Menschen legen die Scheiben vor dem Kochen in Salzwasser, um die Bitterkeit zu mildern. Ich möchte diesen Geschmack meistens nicht ganz entfernen.
Denn wenn sie nicht mehr bitter ist, ist sie vielleicht auch nicht mehr das Gericht, das ich vermisse.
Einen vertrauten Geschmack in einem fernen Garten anbauen
Samen für Bittermelone sind in Deutschland heute nicht allzu schwer zu finden. Man kann sie in manchen asiatischen Saatgutläden oder im Internet kaufen; auch bei eBay gibt es oft Anbieter. Bei der Suche helfen die Begriffe Bittermelone, Bittergurke oder der wissenschaftliche Name Momordica charantia.
Natürlich braucht der Anbau von Bittermelone in Deutschland etwas mehr Geduld. Die Pflanze muss früh vorgezogen, warm gehalten und an kalten Tagen geschützt werden. Nicht jedes Jahr ist das Wetter freundlich, und nicht jeder Samen will keimen.
Aber irgendwann gibt es einen Sommernachmittag, an dem ich ins Gewächshaus komme und eine kleine Bittermelone unter dem Blätterdach schaukeln sehe.
Sie ist nicht nur ein Gemüse, das ich erfolgreich angebaut habe.
Sie ist ein alter Geschmack, der viele Winter überstanden hat, weit gereist ist und im neuen Garten einen Platz zum Wachsen gefunden hat.