Feigenblattkürbis – ein Kürbis, der mich noch nie enttäuscht hat
Wie ich Feigenblattkürbis in Deutschland anbaue: nicht zu früh vorziehen, an einem Gerüst wachsen lassen, junge Früchte essen und reife Kürbisse lange lagern.
- Autor
- FlamaBloom
- Veröffentlicht
- 10. September 2026
- Aktualisiert
- 10. September 2026
- Lesezeit
- 7 Min. Lesezeit

Der Sommer in Deutschland ist kurz. In manchen Jahren ist der Garten gerade erst richtig grün geworden, und schon fühlen sich die Morgen wieder kühl an. Die Zeit, in der Gemüse wachsen, blühen und Früchte bilden kann, ist hier nicht so lang wie in Vietnam.
Deshalb probiere ich jedes Jahr gern eine neue Pflanze aus. Manche passen gut in den Garten. Manche schenken nur ein paar Blätter und bleiben dann stehen. Und manche Sorten machen mich den ganzen Sommer über neugierig, schaffen es am Ende aber doch nicht mehr bis zur ersten Frucht.
Gärtnern an einem Ort mit kurzem Sommer fühlt sich manchmal wie eine Reihe kleiner Experimente an. Ich lege ein Samenkorn in die Erde und warte ab, ob es mit dem Licht, der Temperatur und dem Regen hier zurechtkommt.
Eines meiner gelungensten Experimente ist der Feigenblattkürbis.
Ein Name aus Blatt und Fruchtfleisch
In Deutschland heißt diese Pflanze Feigenblattkürbis, botanisch Cucurbita ficifolia.
Der Name erklärt sich fast von selbst, wenn man die Pflanze einmal gesehen hat. Die Blätter sind groß, gelappt und erinnern tatsächlich ein wenig an Feigenblätter.
Die jungen Früchte sind grün, manchmal mit hellen Streifen oder Flecken, und sehen auf den ersten Blick fast wie kleine Wassermelonen aus. Das Interessante liegt aber innen. Wenn die Früchte reif werden, bleibt das weiße Fruchtfleisch nicht mehr als feste Masse zusammen, sondern löst sich nach und nach in lange Fäden. Vielleicht erinnern diese Fäden an eine vietnamesische vegetarische Haifischflossensuppe. Darum nennen viele Menschen ihn auf Vietnamesisch bí vi cá.
Als ich ihn zum ersten Mal anbaute, wusste ich nicht, wie groß die Pflanze werden würde, wie viele Früchte sie tragen könnte oder wie sie schmecken würde. Ich säte sie vor allem aus Neugier. Je länger ich sie beobachtete, desto mehr wurde sie für mich zu einer der spannendsten und großzügigsten Kürbissorten im Garten.
Nicht zu früh vorziehen
Das Vorziehen von Feigenblattkürbis ist ähnlich wie bei anderen Kürbissen.
Ich lege die Samen zuerst etwa acht Stunden in Wasser, meistens über Nacht. Danach kommen sie in ein feuchtes Tuch, in eine Dose mit Deckel und für ungefähr drei Tage an einen dunklen, warmen Ort. Wenn die Schale aufspringt und die kleine weiße Wurzel sichtbar wird, setze ich den Samen in Anzuchterde.
Feigenblattkürbis hat sehr kräftige Wurzeln, und die jungen Pflanzen wachsen überraschend schnell. Man muss also nicht zu früh anfangen.
Wenn die Pflanzen nach dem 15. Mai in den Garten sollen, wenn die Frostgefahr in Deutschland meist deutlich geringer ist, reicht es bei mir oft, Anfang Mai mit der Anzucht zu beginnen. Die Pflanze kann innerhalb weniger Wochen erstaunlich groß werden.
Früher dachte ich, je früher ich beginne, desto stärker wird die Pflanze. Aber das stimmt nicht immer. Wenn eine junge Pflanze zu lange in einem kleinen Topf steht, mit zu wenig Erde, zu wenig Licht und zu wenig Platz für die Wurzeln, kann sie schwächer werden als eine Pflanze, die später, aber zur richtigen Zeit gesät wurde.
Beim Gärtnern ist früher nicht automatisch besser. Manchmal ist der wichtigste Punkt einfach, rechtzeitig zu beginnen.
Eine Kletterpflanze ohne Pause
Feigenblattkürbis kann wie andere Kürbisse über den Boden kriechen. Wenn er aber ein Gerüst, einen Rahmen oder einen Zaun bekommt, klettert er sehr schnell nach oben.
Ich lasse ihn gern am Zaun wachsen. Blätter und Triebe bekommen dort viel Licht, die Früchte liegen nicht direkt auf der Erde, und im Garten entsteht langsam eine schöne grüne Wand.
Vor dem Pflanzen sollte man ihm allerdings genug Platz geben. Das ist keine kleine, brave Kürbispflanze, die still in einer Ecke bleibt. Sobald sie gut eingewurzelt ist, können die Ranken weit wandern, sich am Zaun festhalten, ins nächste Beet kriechen und weiter nach Raum suchen.
In meinem Garten gehört er immer zu den Kürbissen, die am frühesten Früchte ansetzen. Die Früchte wachsen sehr schnell. Manchmal schaue ich nur ein paar Tage nicht genau hin, und aus einem kleinen Kürbis ist unter den Blättern schon ein schweres Ding geworden.

Die Pflanze trägt auch über längere Zeit immer wieder neue Früchte, oft von Juni bis Ende September, je nach Wetter des jeweiligen Jahres. Bei vielen anderen Kürbissen ist es schon eine gute Saison, wenn eine Pflanze vier oder fünf Früchte ausbildet. Ein kräftiger Feigenblattkürbis kann zehn Früchte versorgen und trotzdem weiter blühen und ranken.
Junge Früchte als Sommergemüse
Wenn die Früchte noch jung sind und etwas mehr als ein Kilogramm wiegen, kann ich sie schon ernten und essen.
In diesem Stadium ist die Schale noch weich, und die Samen im Inneren sind noch nicht hart. Man muss also fast nichts wegwerfen. Waschen, aufschneiden, kochen.
Am liebsten schneide ich den Kürbis in größere Stücke, wende sie in Teig oder Panade und brate sie knusprig aus. Außen werden sie leicht golden, innen bleiben sie weich und saftig.
Manchmal kommt er in eine einfache Gemüsepfanne mit dem, was gerade im Garten da ist. Ein anderes Mal schneide ich ihn klein und brate ihn mit Knoblauch. Das weiße Fruchtfleisch ist mild, erinnert ein wenig an Flaschenkürbis und drängt sich nicht in den Vordergrund.

Weil der Geschmack so mild ist, kann man vieles, was mit Zucchini funktioniert, auch mit Feigenblattkürbis ausprobieren: braten, backen, panieren, in Suppen kochen oder einlegen. Er findet leicht seinen Weg in die Küche, weil man nicht erst eine völlig neue Art zu kochen lernen muss.
Wenn die Frucht reif wird, entstehen die Fäden
Wenn man die Frucht nicht jung erntet, sondern weiter wachsen und vollständig ausreifen lässt, wird aus dem Feigenblattkürbis eine ganz andere Zutat.
Die Schale ist dann sehr hart. Das Fruchtfleisch bleibt weiß, aber die Fasern lösen sich nach und nach voneinander und bilden lange Fäden. Je reifer die Frucht, desto deutlicher wird diese Struktur.
Diese Fäden kann man für eine vegetarische Suppe verwenden, die an Haifischflossensuppe erinnert. Sie nehmen Brühe gut auf, behalten aber eine eigene Struktur und fühlen sich ganz anders an als Hokkaido oder gewöhnliche Zucchini.
In manchen Gegenden wird das fädige Fruchtfleisch auch mit Zucker zu einer Süßigkeit gekocht, die auf Deutsch Engelshaar heißt, auf Spanisch cabello de ángel. Allein dieser Name reicht schon, damit ich am Ende der Saison eine reife Frucht dafür aufheben möchte.
Ein Kürbis, der mehrere Winter bleiben kann
Eine Eigenschaft hat mich besonders überrascht: Feigenblattkürbis lässt sich sehr lange lagern.
Wenn die Frucht vollständig reif ist, die Schale unverletzt bleibt, der Stiel dran ist und sie trocken und kühl gelagert wird, kann sie lange halten. Manche Früchte lagen bei mir zwei oder drei Winter im Haus, ohne schlecht zu werden.
Das macht den Feigenblattkürbis zu einem besonderen Geschenk aus dem Garten. Der deutsche Sommer ist kurz, aber eine am Ende der Saison geerntete Frucht kann ein Stück Garten für viele Monate aufbewahren.
Wurzeln, die sogar Gurken tragen
Feigenblattkürbis wird nicht nur wegen seiner Früchte angebaut. Viele Menschen kaufen die Samen auch, um ihn als Unterlage für Gurken zu verwenden.
Der Grund liegt in seinem kräftigen Wurzelsystem, seinem starken Wachstum und einer gewissen Widerstandskraft gegen einige Bodenkrankheiten. Nach dem Veredeln versorgen die Wurzeln des Feigenblattkürbisses den Gurkentrieb darüber.
Ich finde das ziemlich schön: Eine Pflanze kann so großzügig sein, dass sie nicht nur ihre eigenen Früchte trägt, sondern mit ihren Wurzeln auch noch einer anderen Pflanze beim Wachsen hilft.
Ein Kürbis für unsichere Sommer
Nach zehn Jahren Gemüsegärtnern in Deutschland habe ich einige Fehlschläge gesammelt.
In manchen Jahren wurden die Auberginen nicht rechtzeitig groß. Manche Pflanzen blühten, setzten aber keine Früchte an. Manche Jungpflanzen wurden wochenlang im Haus gepflegt und erholten sich nach einer kalten Nacht draußen nicht mehr.
Solche Fehlschläge gehören zum Gärtnern dazu. Jede Saison lässt ein wenig Erfahrung zurück, auch wenn sie manchmal nicht besonders viel Gemüse zurücklässt.
Aber der Feigenblattkürbis hat mich noch nie enttäuscht.
Er keimt kräftig, wächst schnell, klettert weit und trägt mehr Früchte, als ich erwartet hatte. Junge Früchte kann man wie Sommergemüse essen. Reife Früchte werden zu besonderen Fäden für Suppe, Süßes und den Vorrat über den Winter.
Wenn ich jemandem, der in Deutschland mit dem Gärtnern beginnt, nur eine Kürbissorte empfehlen dürfte, würde ich wahrscheinlich den Feigenblattkürbis wählen.
Nicht, weil er der bekannteste Kürbis ist.
Sondern weil er mitten in einem kurzen, nicht immer einfachen Sommer immer wieder einen Weg findet, zu wachsen, über den Zaun zu klettern und dem Menschen im Garten mehr zurückzugeben, als dieser erwartet hat.