Kinh Giới in Deutschland – Zwei Arten, wie ich es jedes Jahr ziehe
Meine praktischen Notizen zum Anbau von Kinh Giới in Deutschland: Aussaat, Stecklinge, der richtige Zeitpunkt und junge Pflanzen im europäischen Klima.
- Autor
- FlamaBloom
- Veröffentlicht
- 15. Juli 2026
- Aktualisiert
- 15. Juli 2026
- Lesezeit
- 4 Min. Lesezeit

Wenn ich ein Kraut wählen müsste, das mich am meisten an Zuhause erinnert, wäre es für mich ganz sicher Kinh Giới.
In Vietnam wächst Kinh Giới sehr leicht. In Deutschland ist das anders. Der Sommer ist kürzer, der Frühling kommt später, und kalte Nächte können junge Pflanzen schon nach einer einzigen Nacht ausbremsen.
Viele erzählen, dass man die Pflanzen einfach alt werden, blühen und Samen fallen lassen kann. Im nächsten Jahr wächst Kinh Giới dann von selbst wieder.
Ich kenne einige Menschen, bei denen das funktioniert hat.
Bei mir... noch nie.
Vielleicht hat mein Garten noch nicht die richtigen Bedingungen, oder ich hatte einfach noch kein Glück. Deshalb ziehe ich seit vielen Jahren zu Beginn jedes Frühlings bewusst neue Pflanzen.
Nach ungefähr zehn Jahren im Garten sind das die zwei Methoden, die ich meistens nutze.
Methode 1 – Aus Samen ziehen
Diese Methode braucht mehr Zeit, bringt mir aber die kräftigsten und gleichmäßigsten Pflanzen.
Weil der Sommer in Deutschland ziemlich kurz ist, beginne ich meistens von Ende März bis Anfang April.
Schritt 1: Samen einweichen
Die Samen etwa 6–8 Stunden in Wasser einweichen, am besten über Nacht.
So nehmen sie genug Wasser auf und keimen gleichmäßiger.
Schritt 2: Erde vorbereiten
Ich verwende immer Aussaaterde.
Vor der Aussaat stelle ich die ganze Schale oder den Topf für etwa 10 Minuten ins Wasser, damit die Erde vollständig feucht wird.
So muss ich nach dem Säen nicht kräftig gießen und spüle die feinen Samen nicht weg.
Schritt 3: Samen aussäen
Die Samen gleichmäßig auf der Erdoberfläche verteilen.
Danach nur mit einer sehr dünnen Schicht Erde bedecken.
Zu dick muss die Schicht nicht sein, denn Kinh-Giới-Samen sind ziemlich klein.
Schritt 4: Ein Mini-Gewächshaus machen
Ich nutze sehr gern Plastikschalen von Trauben oder Obst aus dem Supermarkt weiter.
Einmal sauber ausgewaschen, werden sie zu kleinen Gewächshäusern mit durchsichtigem Deckel.
Der Deckel hält die Feuchtigkeit sehr gut, und in den ersten Tagen muss ich fast gar nicht nachgießen.
Ich stelle die Schale an ein helles Fenster, aber nicht in starke direkte Sonne.
Schritt 5: Warten, bis die Pflanzen größer werden
Nach etwa 1–2 Wochen beginnen die Pflänzchen zu erscheinen.
Wenn sie ein paar echte Blätter haben, setze ich sie in eine größere Schale mit normaler Gemüseerde oder Blumenerde.
Zwischen den Pflanzen lasse ich genug Abstand, damit sie später kräftiger wachsen können.
Ungefähr im Mai, wenn die Frostgefahr vorbei ist, kommen sie in den Garten.
Am Anfang muss ich sehr auf Schnecken achten, denn sie mögen junge Kinh-Giới-Pflanzen besonders gern.
Eigentlich reichen schon 3–5 Pflanzen, um den ganzen Sommer über genug Kräuter zu haben.
Methode 2 – Aus Stängeln ziehen
Diese Methode mag ich sehr, weil sie schnell, einfach und ziemlich zuverlässig ist.
Ich brauche nur auf dem Asia-Markt ein ganz frisches Bund Kinh Giới zu kaufen.
Zu Hause zupfe ich alle großen Blätter ab und verwende sie zum Kochen.
Die kräftigsten Stängel behalte ich.
Jedes Stängelstück sollte ungefähr zwei Knoten haben.
Mit einem sehr scharfen Messer schneide ich das untere Ende schräg an.
Dann stelle ich die Stängel für etwa 4–5 Stunden ins Wasser, damit sie sich gut vollsaugen können.
Beim Pflanzen stecke ich das untere Ende so in die Erde, dass mindestens ein Knoten unter der Erdoberfläche liegt.
Oben lasse ich Knoten mit Blättern oder kleinen Seitentrieben stehen.
Viele entfernen alle Blätter, aber ich lasse meistens ein paar dran, weil die Pflanze Blätter für die Photosynthese braucht.
Aus dem Knoten in der Erde wachsen später neue Wurzeln.
Wenn das Wetter mitspielt und die Erde gleichmäßig feucht bleibt, sehen die Stängel nach 3–7 Tagen oft wieder frisch aus.
Das ist meistens das erste Zeichen, dass sich neue Wurzeln bilden.
Kurz danach wird die Pflanze stabiler und treibt immer wieder junge Blätter.


Welche Methode mag ich lieber?
Wenn ich viel Zeit habe, wähle ich immer noch die Aussaat.
Zu sehen, wie die ersten kleinen Blätter erscheinen, fühlt sich jedes Mal besonders an.
Aber wenn es schon Mitte Frühling ist oder ich einfach schneller Kräuter ernten möchte, nehme ich fast immer Stecklinge.
Weniger Arbeit.
Schneller.
Und fast jedes Jahr klappt es.
Nach vielen Jahren im Garten ist mir etwas Interessantes aufgefallen.
Manche Pflanzen pflege ich zwei Monate lang vom Samen an.
Andere beginnen nur mit einem Stängelstück, das ich fast weggeworfen hätte.
Am Ende können beide zu einem kräftigen grünen Busch werden.
Vielleicht ist es den Pflanzen gar nicht so wichtig, wie wir anfangen.
Wichtiger ist, ob wir genug Geduld haben, ihnen noch ein bisschen Zeit zu geben.