Pilzbrut F2 auf Weizenkörnern vermehren
Notizen zu meinem Versuch, aus einem kräftigen Glas Körnerbrut neue F2-Pilzbrut auf Weizenkörnern zu machen, vom Einweichen bis zum weißen Myzel.
- Autor
- FlamaBloom
- Veröffentlicht
- 22. Juli 2026
- Aktualisiert
- 22. Juli 2026
- Lesezeit
- 8 Min. Lesezeit

Nachdem das Vermehren von Pilzen auf Mais gut geklappt hatte, kam mir der nächste Gedanke:
Wenn ich schon ein kräftiges Glas Brut habe, warum nehme ich nicht etwas davon, um neue Gläser anzusetzen?
Den ersten Versuch habe ich im Artikel über Pilzbrut auf Mais aufgeschrieben. Dieser Text ist sozusagen der nächste kleine Abschnitt dieser Geschichte: diesmal mit Weizenkörnern.
In meiner einfachen Sprache nenne ich das F2-Brut: neue Brut, die aus einem bereits gut durchwachsenen Glas Körnerbrut weitervermehrt wurde.
Die Methode ist der mit Mais ziemlich ähnlich. Nur sind Weizenkörner kleiner, halten die Feuchtigkeit gut und wurden bei mir sehr schnell vom Myzel besiedelt.
Das klingt fast professionell.
Meine Werkzeuge waren aber weiterhin nur Körner aus dem Supermarkt, ein paar Schraubgläser und eine Küche, die etwas gründlicher geputzt werden musste als sonst.
Warum ich Weizenkörner gewählt habe
Ich habe Bio-Weizenkörner im Supermarkt gekauft.
Es muss nicht unbedingt ein Produkt sein, das extra für die Pilzzucht verkauft wird. Wichtig ist für mich nur, dass die Körner ganz, sauber und frei von Schimmel oder seltsamem Geruch sind.
Weizenkörner sind ziemlich klein. Wenn sie später weiß vom Myzel überzogen sind, kann jedes einzelne Korn beim Mischen mit Substrat zu einem kleinen Impfpunkt werden.
Je mehr solche Punkte gleichmäßig verteilt sind, desto besser kann sich das Myzel ausbreiten.
Und natürlich mag ich Weizen auch, weil er leicht zu finden ist.
Manchmal beginnt Pilzzucht nicht in einem Labor.
Sondern im Getreideregal eines Supermarkts.
Was ich vorbereitet habe
Ich habe benutzt:
- Ganze Bio-Weizenkörner.
- Schraubgläser mit Deckel.
- Sauberes Wasser.
- Einen normalen Topf oder einen Schnellkochtopf.
- Kräftige Pilzbrut, die auf Mais gewachsen war.
- Ein Messer, einen Löffel oder ein sterilisiertes Werkzeug zum Übertragen.
- Alkohol zum Abwischen von Tisch und Werkzeugen.
- Filterklebeband, falls der Deckel ein kleines Luftloch hat.
Gläser sind praktisch, weil ich das Wachstum des Myzels von außen beobachten kann.
Beim Vorbeigehen reicht oft ein kurzer Blick:
Wie viel hat der Pilz heute schon gefressen?
Schritt 1: Weizenkörner einweichen
Zuerst habe ich die Körner etwa 6-8 Stunden in Wasser eingeweicht.
Über Nacht geht natürlich auch, wenn es besser passt.
Das Einweichen hilft den Körnern, langsam Wasser aufzunehmen. Das Innere wird weicher, und Staub oder Schmutz auf der Oberfläche lässt sich leichter abwaschen.
Nach dem Einweichen habe ich die Körner mehrmals mit sauberem Wasser gespült.

Leichte, gebrochene oder auffällige Körner habe ich aussortiert.
Jedes Korn muss nicht aussehen, als würde es zu einer Schönheitswahl gehen.
Aber sauber und unverdorben sollte es schon sein.

Schritt 2: Die Körner kurz vorkochen
Nach dem Spülen habe ich die Körner in den Topf gegeben und kurz gekocht.
Das Ziel ist nicht, daraus Brei zu machen.
Die Körner sind gut, wenn:
- Das Innere weich geworden ist.
- Die Außenseite noch ganz und leicht fest bleibt.
- Sie beim leichten Drücken nicht massenhaft zerquetschen oder aufplatzen.
Wenn sie zu lange kochen, reißen sie auf, kleben zusammen und halten zu viel Wasser.
Ein zu nasses Glas Körner ist für Bakterien ein sehr gemütlicher Ort.
Das Myzel steht dann vielleicht aus der Ferne daneben und denkt:
Hier ist mir zu viel los. Ich bleibe lieber draußen.
Sobald die Körner weich genug waren, habe ich den Herd ausgeschaltet und sie abgegossen.
Schritt 3: Die Oberfläche trocknen lassen
Dieser Schritt ist ziemlich wichtig.
Nach dem Kochen habe ich die Körner auf einem Tablett oder sauberen Tuch ausgebreitet, damit sie abkühlen und abtropfen konnten.

Innen sollen die Körner feucht bleiben.
Außen sollten sie aber eher trocken sein, ohne laufendes Wasser und ohne große klebrige Klumpen.
Ich lasse sie eine Weile an der Luft stehen und prüfe sie dann mit der Hand.
Wenn meine Hand nicht nass wird und die Körner sich noch recht gut voneinander lösen, können sie ins Glas.
Ganz trocken sollen sie nicht sein.
Aber sie sollten auch nicht so nass aussehen, als wäre im Glas gerade ein kleiner Regenschauer vorbeigekommen.
Schritt 4: Die Körner in Gläser füllen
Ich habe die Körner in gut gereinigte Gläser gefüllt.

Die Gläser sollten nicht bis zum Rand voll sein.
Ein bisschen Platz ist wichtig, damit ich sie später schütteln kann und sich Brut und Myzel besser verteilen.
Im Deckel sollte ein kleines Loch für den Gasaustausch sein, abgeklebt mit Filterklebeband.
Wenn ich keinen speziellen Deckel habe, lässt sich auch etwas Einfaches bauen, solange Luft hinein und hinaus kann, Staub und kleine Insekten aber möglichst draußen bleiben.
Schritt 5: Die Körnergläser erhitzen
Nach dem Verschliessen habe ich die Gläser in einen Topf gestellt.

Wenn ich einen normalen Topf nutze, lege ich ein Tuch auf den Boden, damit die Gläser nicht direkt auf dem heissen Metall stehen.
Dann erhitze ich die Gläser etwa 90 Minuten.
Ein Schnellkochtopf wäre wirkungsvoller, weil er höhere Temperaturen erreicht und das Risiko verringert, dass Mikroorganismen in den Körnern überleben.
Mit einem normalen Topf ist das Ganze nicht so steril wie in einem Labor, deshalb ist das Risiko für Schimmel höher.
Aber das war das Werkzeug, das ich hatte. Und ich akzeptiere, dass manchmal ein paar Gläser nicht gelingen.
Pilze zu Hause zu ziehen heißt auch, ruhig zu bleiben, wenn ein Glas plötzlich grün wird.
Schritt 6: Die Gläser vollständig abkühlen lassen
Nach dem Erhitzen nehme ich die Gläser heraus und lasse sie stehen, bis sie innen wieder Raumtemperatur haben.
Ich beimpfe sie nicht, solange die Körner noch heiss sind.
Myzel ist ein lebender Organismus.
Wenn ich Brut in ein noch heisses Glas gebe, helfe ich ihr nicht beim Umzug.
Ich stecke sie eher ungefragt in eine Sauna.
Also warte ich lieber geduldig.
Am besten sind die Gläser ganz abgekühlt, bevor ich sie öffne und beimpfe.
Schritt 7: Schnell und sauber beimpfen
Jetzt putze ich den Arbeitsbereich besonders gründlich.
Ich desinfiziere:
- Die Tischfläche.
- Meine Hände.
- Das Werkzeug.
- Die Außenseite des Brutglases.
- Den Bereich rund um die Glasöffnung.

Dann öffne ich das Glas mit der Maisbrut, gebe eine kleine Menge in das abgekühlte Weizenglas und schliesse es schnell wieder.
Je kürzer das Glas offen ist, desto weniger Kontakt hat es mit der Luft im Raum.
Ich muss nicht so hektisch werden, dass alles umfällt.
Aber ich sollte das Glas auch nicht öffnen und dann fünf Minuten darüber nachdenken, wohin das Leben führt.
Schimmelsporen in der Luft treffen solche Entscheidungen sehr gern für mich.
Schritt 8: Die Brut inkubieren
Nach dem Beimpfen stelle ich die Gläser an einen Ort, der:
- Eher dunkel ist.
- Warm ist.
- Keine direkte Sonne bekommt.
- Eine möglichst stabile Temperatur hat.
In den ersten Tagen öffne oder bewege ich die Gläser möglichst wenig.
Nach einiger Zeit erscheinen von den ursprünglichen Brutkörnern aus weiße Fäden.
Sie beginnen, auf die Weizenkörner in der Nähe überzugreifen.

Wenn das Myzel schon ein Stück gewachsen ist, kann ich das Glas vorsichtig schütteln, damit sich die Brut besser verteilt.
Dann stelle ich es zurück und warte weiter.

Nach etwa einer Woche
Bei gesunden Gläsern und passenden Bedingungen konnte ich nach etwa einer Woche sehen, dass das Myzel fast das ganze Glas besiedelt hatte.
Die Weizenkörner wurden nach und nach von einer weißen Schicht überzogen.

Wenn das ganze Glas weiß besiedelt ist, keine seltsamen Farben sichtbar sind, kein ungewohnter Geruch auftritt und das Myzel gleichmäßig wächst, weiß ich:
Diese Vermehrung hat funktioniert.
Dann sind die Weizenkörner nicht mehr nur Weizenkörner.
Jedes Korn ist zu einem Teil der Pilzbrut geworden und kann später ins Substrat gemischt werden.
Die Körnerbrut zum Pilzanbau nutzen
Wenn das Glas vollständig durchwachsen ist, kann ich die Körner in passende Substrate mischen, zum Beispiel:
- Stroh.
- Holzpellets.
- Sägespäne.
- Mischungen aus Holz und Stroh.
- Eigene Substratrezepte für bestimmte Pilzarten.
Weil die Brut aus vielen kleinen Körnern besteht, lässt sie sich gut im Substrat verteilen.
Das Myzel startet dann von vielen Stellen aus, statt nur von einem großen Block.
So kann das Substrat schneller und gleichmäßiger durchwachsen.
Für welche Pilze ich diese Methode genutzt habe
Ich habe die Vermehrung auf Weizenkörnern für mehrere Pilzarten ausprobiert, darunter:
- Grauer Austernseitling.
- Limonenseitling.
- Rosenseitling.
- Shiitake.
- Pom Pom.
- Pioppino.
- Buchenpilz.
Jede Art wächst in ihrem eigenen Tempo.
Manche sind schnell, und nach wenigen Tagen sieht man schon deutliche Veränderungen.
Andere brauchen mehr Geduld.
Aber die Vorbereitung der Körner und das Beimpfen sind im Grunde sehr ähnlich.
Das schönste Glas für die nächste Runde wählen
Wenn ich mehrere Gläser gleichzeitig mache, beobachte ich sie und wähle meistens das kräftigste Glas aus.
Das ist oft ein Glas mit:
- Kräftigem weißem Myzel.
- Schnellem und gleichmäßigem Wachstum.
- Keinen ungewöhnlich nassen Stellen.
- Keinen seltsamen grünen, schwarzen, rosa oder gelben Farben.
- Kein saurem oder unangenehmem Geruch.
Das beste Glas behalte ich für die nächste Runde.
Die anderen guten Gläser kann ich nutzen, um Substrat für die Pilzzucht zu beimpfen.
So kann aus einem ursprünglichen Glas nach und nach mehr neue Brut entstehen.
Eine Notiz zum wiederholten Vermehren
Körnerbrut immer wieder auf neue Körner zu übertragen ist praktisch und spart Geld.
Endlos mache ich das aber nicht.
Nach mehreren Übertragungen kann das Myzel schwächer werden, langsamer wachsen oder leichter kontaminieren.
Darum beobachte ich immer, wie schnell ein Glas wächst und wie gesund es aussieht.
Wenn die Brut schwach wird oder die Ergebnisse unzuverlässig werden, gehe ich lieber wieder auf eine kräftige Brut aus professioneller Quelle zurück.
Sparen ist gut.
Aber mehrere Wochen lang ein Glas Körner zu pflegen, das nicht wachsen will, ist manchmal nicht mehr besonders sparsam.
Von einem Glas zu einer neuen kleinen Reise
Was ich an dieser Methode mag, ist nicht nur, dass ich mehr Pilzbrut bekomme.
Es ist auch das Gefühl, den ganzen Prozess direkt vor mir zu sehen.
Aus hellbraunen Weizenkörnern.
Ein paar weiße Fäden erscheinen.
Dann breitet sich das Myzel jeden Tag weiter aus.
Bis das ganze Glas von einem kräftigen Weiss überzogen ist.
Dann weiß ich: Ich habe ein neues Glas Brut gemacht.
Keine sehr professionelle Ausrüstung.
Kein großes Labor.
Nur Sauberkeit, Geduld und die Bereitschaft zu akzeptieren, dass nicht jedes Glas auf mich hört.
Aber jedes Mal, wenn es klappt, ist die Freude trotzdem groß.
Denn aus einem kleinen Glas Brut vermehre ich nicht nur Pilze.
Ich vermehre auch die Gelegenheiten, weiter auszuprobieren, weiter zu lernen und auf die nächsten Pilzbüschel in meinem Garten zu warten.